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Hölzerne Fundstücke
   
 


Hölzerne Fundstücke..eine Arbeit von Kindern,  Jugendlichen und erwachsenen Teilnehmern des Atelierhauses     KUNST UND KULTUR AN DER KIRCHE

Ein Berg von Holzfundstücken inspirierte mehr als 100 Paten, diese skurilen Typen zum Leben zu erwecken.

Kein anderes Medium hat die Künstler des 20. Jahrhunderts seit Kubismus, Dada und Surrealismus so sehr inspirieren können wie das Zusammenfügen in der Collage aus alltäglichen Fundgegenständen.

In der Volkskunst nutzte man das phantastische Spiel, doch als eigenständiges neues Medium der bildenden Kunst etablierte sich Collage und Objektkunst erst im frühen 20. Jahrhundert.

Die Kinderkunstschule verpflichtete sich in ihren  Projekten immer dem Umweltgedanken und der Philosophie, dem Massenkonsum entgegenzuwirken. Wir realisierten viele plastische Objekte aus Fundstücken der Alltagswelt.

Mit dem neuen Projekt möchten wir die Dingwelt nicht nach der Verwendung und dem fragmentarischen Charakter untersuchen, sondern nach Farbe und Form und der Wiederverwendung in der Skulptur. Wir möchten dieser Dingwelt aus Sperrmüllfundstücken, Verpackungen, Haushaltsauflösungen und auch persönlichen Erinnerungsstücken aus Holz eine unorthodoxe Wandlung entgegensetzen.

Die Kinder, Jugendlichen und auch erwachsene Teilnehmer von KUNST UND KULTUR AN DER KIRCHE versuchen durch" SEHEN LERNEN" den Objekten aus Fundstücken des Aussenraumes und des Massenkonsums durch die Metamorphose der Gestaltung neue Bedeutungsebenen zu eröffnen. Der blosse Verbrauchscharakter der Gegenstände wird durch die künstlerische Phantasie und alternative Sinnhorizonte unterlaufen.

Die autonomen Gebilde aus den Fundstücken mögen ihre Herkunft nicht leugnen, Gebrauchsspuren ästhetisch wahrnehmbar, im ursprünglichen Zustand belassen, beugen sich gleichermassen statischen Notwendigkeiten, jedoch soll eine plastische Leitidee erkennbar sein, wie eine menschliche Figur. Durch die abschliessende Verwendung der Farbe versuchen wir eine optische Geschlossenheit zu erzielen.

Bedeutende Künstler wie Picasso, Marchel Duchamp und Jeff Koons wurden den Teilnehmern in einem Seminar nähergebracht, die gerade diese revolutionäre Innovation ausgelöst haben.

Die Teilnehmer sammelten die Materialien selbst und aus dem grossen Fundus wurden die individuellen Skulpturen zusammengefügt, auch hier ist die handwerkliche Vermittlung ein Teilaspekt des selbständigen Handelns. So etstanden 130 hölzerne Lebewesen, die nun in den heimischen Gärten auch einen Alterungsprozess erleben-

Marliese Jung-Dörr-   Idee-Konzept und Realisierung.



Lieber Armin König, liebe Marliese,

mit grosser Freude begleite ich heute ein höchst außergewöhnliches Kunstprojekt. Marliese Jung-Dörr ist längst für ihre Verbindung von Einfallsreichtum, Originalität und professioneller Umsetzung in die Tat bekannt.

" Hölzerne Fundstücke" vereint durchaus den Querschnitt all dessen, was sich in Kellern, Speichern und Garagen finden lässt. " Finden" ist da ein wichtiges Wort, denn einst, als Künstler am Anfang des 20. Jahrhunderts auf der Suche nach neuer Kunst mit neuen Materialien unnütz gewordenes Gebrauchsmaterial nobilierten, nannten sie die Ergebnisse " Objekt trouve". Gefundene Objekte. Der künstler, die Künstlerinnen, sie suchen nicht, sie finden.

Die Verbindung von Kunst und alltäglichem Leben war ein sehr wichtiges Anliegen der einstigen Pioniere - etwa auch der Dadakünstler um Hannah Höch, Rouel Hausmann, Hans und Sophie Arp. Sonja Delauny entwickelte " Moderne Kunst" in der Arbeit an der weltweit ersten Patchworkdecke aus Stoffresten, Hannah Höchs Puppen kannten Utensilien aller Art. bis hin zum Blechtrichter : Picasso bediente sich eines Fahradsitzes und nannte ihn Stierkopf.

Und im Umgang mit all dem weggeworfenen, unnütz gewordenen Zeug, zeigt sich jetzt hier, wie Alltag auch sein kann. Wie das tägliche Leben aussehen kann. : Über 100 skurile, bunte, schräge, unkonventionelle Gestalten machen hier und heute eine längst "unnütz" gewordene Burg zu " Neuem Alltag".

Die KünstlerInnen bewegen sich - um ein paar biologische Daten zu nennen - zwischen 5 und 66 Jahren. Ist Ihnen dergleichen schon einmal begegnet?

Etwa 6 Generationen und ein Kunstprojekt. Allein für diese Leistung haben alle Beteiligte höchste Auszeichnung verdient.

Es musste aber auch körperlicher Einsatz erbracht werden: Zeug sammeln( Zeug, was für ein schönes Wort; es bedeutete einst im Mittelhochdeutsch, Gerät, Stoff oder Material, eine Ausstattung oder eine Ausrüstung) Allumfassend, bezeichnet es nichts Spezifisches, nichts Genaues; alles , womit wir täglich zu tun haben, um etwas zu machen, zu bauen, zu putzen. Sobald  diese Gegenstände den Dienst, welchen man von ihnen erwartet nicht mehr erbringen, werden die zu nutzlosem Zeug. Angeblich sind wir modernen Menschen ja so materialistisch und zweckorientiert. Wieso aber finden dann Marliese und 150 MitstreiterInnen so viel" Zeug", was niemand mehr braucht? Ich sehe jetzt genau, wie sich in Ihren Köpfen Keller Speicher und Schubläden abbilden und Sie im Geiste die Notwendigkeit der Inhalte prüfen.

Die Gesellschaft im Park aus Besen, Töpfen, Nummernschilder, Latten, Reisig, Schlitten, Trichter, Körben, Pinsel, Dominosteinen, Nägeln,Kochlöffeln, Klappstühlen, Spaten...erzählt eine ganz andere Geschichte von Nutzen und Sinnhaftigkeit,. das tote Ding ist mitnichten tot. Mit Einsatz von Körperkraft, technischem know how sowie Phantasie und Liebe zum Detail haben unsere Schöpfer beseelte Wesen erschaffen.

Die Künstler und KünstlerInnen haben eine Gestalt erschaffen, an der sich das nicht Sichtbare, das nicht Sagbare, das vage Erahnte, das Erhoffte und das Befürchtete bricht. Und Sie werden Ihre Gestalten finden, die ein Gespräch mit Ihnen anfangen- andere werden Ihnen stumm bleiben.

Lange bevor die Kunst am beginnenden 20.Jahrhundert sich von einer Kunstfigur verabschiedet, die uns Menschen täuschend ähnlich sieht, haben Völker anderer Kontinente frei und phantasievoll geformt und gestaltet. Als inspirierendes Beispiel sei auf die Fetischfiguren der Indianer hingewiesen. Nicht Dekorieren oder Schmücken war deren Aufgabe. Sie formten daran ihre Sorgen, Nöte und Hoffnungen .Die Gegenstände, die dafür gebraucht werden, stehen in sprechendem Zusammenhang mit ihrer Bedeutung. Nicht anders ist es mit unseren Gesellen im Park: vergnügliche Buntheit, bodenständige Schwere, Heimatbezug, in die Höhe wachsen wollen, sich verstecken, mütterliche Fürsorge, klare Ordnung schaffen, produktives Chaos, ein Geist sein, ein Teil der Natur sein....

Bleiben Sie nicht an der Oberfläche hängen. Lassen Sie sich selbst auf die Sprache ein....da erwartet Sie viel Reichtum.

Dr. Ingeborg Besch     www.galeriebesch.de       i.besch@galeriebesch.de