Saarbrücker Zeitung SA / SO .22. / 23. Januar 2005 Seite B2 Nr. 18
Vor vier Monaten ist Marliese Jung - Dörr von Merchweiler mit ihrer Kunstschule für Kinder, Jugendliche und Erwachsene in das Haus Nummer 5 in der Gerberstrasse 5 umgezogen. Dort schafft sie im " Offenen Atelier " nun Raum für die Begegnung zwischen Künstlern und Gästen.
Illingen : Das Wichtigste ist ein Publikum , das aufgeschlossen sich gegenüber Ungewohntem und Unbekanntem zeigt. Noch wichtiger ist das Vertrauen in einen Ort, an dem sich diese Dinge ereignen. " Mein Publikum lässt sich überraschen und ist bereit, sich auf etwas einzulassen, was an einem Abend hier geschieht" weiß Marliese Jung - Dörr. Vor 12 Monaten ist sie von Merchweiler mit ihrer Kunstschule für Kinder, Jugendliche und Erwachsenen in das Haus Nummer 5 in der Gerberstrasse 5 umgezogen. Immer noch gibt es das " Atelier der kleinen Künstler " auch die " Treppengalerie" hat hier wiederum ihren Platz gefunden. Doch ist auch Raum für ein Forum, auf dem sich " als Grenzgang zwischen öffentlich und privat " so Marliese Jung - Dörr , Künstler und Gäste zusammenfinden , um an einem Abend einander zuzusehen und zuzuhören. Das Atelier, in dem an den Nachmittagen gemalt oder plastisch gearbeitet wird, wandelt sich zum Salon. "Offenes Atelier " nennt Marliese Jung - Dörr dieses Angebot, das zwang - aber nicht formlos zur Begegnung einlädt.Die Gäste kommen mit der Gewissheit, hier keinen grossen öffentlichen Raum zu finden, der eine Distanz zwischen Künstler und Publikum legt. Kurz: Die viel zitierte Schwellenangst gibt es hier nicht. " Man ist privat. Es ist ein Angebot vorhanden. Bei den Gästen herrscht die Haltung , Ich bin neugierig und lasse mich aus das , was heute passiert, ein " beschreit sie die Grundstimmung dieser Atelierabende , die jeweils am ersten Dienstag im Monat stattfinden.
" Grenzgang" heisst dann, die manchem unvertrauten Klänge aus dem Bereich der Neuen Musik nicht nur zu hören, sondern auch mit demjenigen zu sprechen, der sie macht. So war,s im Fall des Posaunisten Christof Thewes , der spielte und den Gästen erzählte, was ihn an dieser Musik interessiert. Die Grenze öffnete sich, und das, was vorher fremd schien, war ein bisschen vertrauter geworden.Nicht anders bei der Performance der Medienkünstlerin Susanne Schorr , die nach ihrem Auftritt über ihre Arbeit sprach. Doch auch für die Künstler ist es ein Grenzgang, denn meist findet deren Arbeit im Kreise der Kollegen statt. Selten , dass ein Neugieriger dazukommt. Hier im Offenen Atelier stellt sich der Künstler einem aufgeschlossenem , aber mitunter auch der jeweiligen Kunstsprache noch wenig vertrauten Publikum. Die Chance besteht daher für beide Seiten, die bestehenden Grenzen zu überschreiten. Ich mache es nicht für ein bestimmtes Publikum, ich mache dieses Programm für alle, erklärt Marliese Jung - Dörr. Verbindungen schaffen anstatt Grenzen zu ziehen, das gilt auch für die Stellung von " Kunst und Kultur an der Kirche " in der Gemeinde Illingen. Man ergänzt sich im Angebot, sagt sie und spricht von den Nischen, die sie mit ihren Salonabenden und Vortragsmatineen mit dem Philosophen Heinrich Kalbfuss füllt. Die Gemeinde kündigt diese Veranstaltungen an, legt die Programmzettel aus , und der Bauhof bringt 100 Stühle, die an den Dienstagabenden im Atelier stets besetzt sind . Ein kleiner Eintritt wird erhoben, der komplett den Künstlern des Abends zugeht. Eine Flasche Wein oder etwas zu essen mitzubringen, wünscht sich die Gastgeberin , damit es danach gemeinsam verzehrt werden kann. Dass ihr Plan funktioniert, das bestätigen ihr die Gäste : Jeder fragt : was gibt,s beim nächsten Mal ? "
Besucher an einem Atelierabend
Karl Ott Franz - Dipl. Math. Buissness Engineer besuchte den Atelierabend mit seinem Instrument : dem Dudelsack